Die sogenannten „Kennenlerntage“ haben sich im Begriffe-Ranking der Alltagssprache an der Alex-Deutsch-Schule schon längst einen Spitzenplatz gesichert. Jetzt, nach erfolgter Premiere in Zell an der Mosel, ist die Aktion sogar drauf und dran, sich zu einem Hit im Reigen beliebter Veranstaltungen zu entwickeln. „Einfach nur Klasse“ fanden die Wellesweiler Fünftklässler den Aufenthalt in einer der schönsten Regionen Deutschlands.

„Jetzt wirst du mich aber mal richtig kennenlernen“, lautet eine hinlänglich bekannte Drohgebärde Erwachsener, wenn sich Kinder und Jugendliche allzu weit von den hohen Erwartungshaltungen entfernen. In den herrlich hergerichteten Räumlichkeiten der historischen Marienburg in Zell an der Mosel hätte man konträr dazu das pädagogische Lernziel mit derselben Floskel überschreiben können, jedoch in positivem Sinn. Sich besser und von einer anderen Seite in einem nicht alltäglichen Rahmen kennen und verstehen lernen, war hier in jedweder Richtung erwünscht: Schulkinder lernen die Lehrpersonen kennen, Lehrkräfte die Schüler und vor allem die Schulkinder sich selbst untereinander.

Als Träger und finanziell maßgebliche Unterstützerin organisierte und gestaltete die Katholische Kirche die Aktion in konfessionell neutraler und damit erfreulich weltoffener Weise. Viel Lob äußerten die betreuenden Lehrerinnen Kerstin Burgard, Hannah Scherer und als Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst Judith Effe (alle 5a), sowie mit Dagmar Andres, Christine Rings und Förderschullehrerin Barbara Klein die Lehrkräfte der 5b gegenüber dem hohen Engagement und reichhaltigen Programmangebot von Philipp Spang, Pastoralreferent und Schulseelsorger des Dekanats Neunkirchen.

 

Im Mittelpunkt standen Spiele zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens: Rückwärts in die auffangbereiten Arme von Mitschülern fallen oder sich mit verbundenen Augen von Klassenkameraden navigieren lassen, Hürden konzentriert überwinden, mit Partnerhilfe über auseinanderdriftende Drahtseile balancieren, Verletzte“ suchen und bergen. Sportliche Geländerallyes trafen den Geschmack von Schülern und Betreuern ebenso wie das Backen von Stockbrot am Spieß, dabei ganz romantisch um ein offenes Lagerfeuer sitzend. Verarbeitet wurden die vielen Tageseindrücke zeichnerisch. „Ganz tolle Ergebnisse kamen dabei heraus“, verrieten die Lehrerinnen Christine Rings und Kerstin Burgard schon mal vor einer anstehenden Veröffentlichung der Kunstwerke. Fantasienamen für die Spiele wie „Die Nebel von Avalalon“, V-Seil, Pendel oder Spinnennetz werden die Gedankenwelt der Teilnehmer noch ebenso lange beherrschen wie die Erinnerung an den überwältigenden Panoramablick auf die mit Wein bewachsenen Hänge rechts und links der  majestätisch in Schlangenlinien dahin mäandernden Mosel.

   

Nicht einmal das regnerische Wetter und die kühlen Temperaturen konnten die gute Laune der jungen Teilnehmer verderben. „In den weitläufigen, hell und freundlich gestalteten Räumen der Marienburg ist man einfach unabhängig vom Wetter“, zeigte sich Lehrerin Christine Rings begeistert über die modernisierte Anlage. Und ausnahmslos jedes Kind habe den Wunsch geäußert, den Aufenthalt in dem historischen Gemäuer mit den anheimelnden Schlafgemächern doch bitteschön noch zu verlängern. „Ein Wunsch allerdings, dem aus unterschiedlichen Gründen nicht entsprochen werden konnte“, wie Christine Rings augenzwinkernd hinzufügte.

   

Die Reise der beiden Fünferklassen blieb an der Schule nicht unbemerkt. Schon jetzt, Ende November, werden die beiden Klassen der Jahrgangsstufe sechs dasselbe Angebot des veranstaltenden Kirchendekanats bzw. seines rührigen Pastoralreferenten Philipp Spang annehmen und sich auf die Spuren der jüngeren Schulkameraden begeben. Die Wellesweiler Kennenlerntage sind auf dem besten Weg, sich einen festen Platz im Jahreskalender der Schule zu erobern.

Bericht Erich Hoffmann, Fotos Kerstin Burgard und Christine Rings